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Aus der Wissenschaft
Gute Qualität von Anfang an!
Gemeinsamer Aufruf der Expertinnen und Experten des „Forums frühkindliche Bildung”
Bildung und bestmögliche Förderung aller Kinder schaffen Chancengerechtigkeit. Lebenslanges Lernen beginnt in den ersten Lebensjahren. Die frühe Kindheit ist eine Zeit besonderer Möglichkeiten, die genutzt werden sollten. Zugleich ist es für Kinder eine Zeit der Entwicklung und der spielerischen Entfaltung, für die Kinder eine breite Erfahrungsbasis brauchen. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass Erzieherinnen und Erzieher, Tagesmütter und -väter dem gerecht werden.- Öffentliche Investitionen weiterhin erhöhen und nachhaltig sichern: Die öffentlichen Investitionen in den frühkindlichen Bildungsbereich sollten weiterhin ansteigen und nachhaltig gesichert werden. Sie versprechen auch mittel- bis langfristig hohe Renditen. Nachhaltige Investitionen sind eine wichtige Voraussetzung zur Sicherung einer guten pädagogischen Qualität. Insbesondere sollte die Beteiligung des Bundes an den Kosten der frühkindlichen Bildung nachhaltig gesichert werden.
- Vollständige Zweckbindung aller Bundesmittel: Die öffentlichen Mittel im Bereich der frühkindlichen Bildung, insbesondere die Bundesmittel, sollten zweckgebunden sein. Damit soll sichergestellt werden, dass weniger die politische Prioritätensetzung für die frühkindliche Bildung entscheidend ist, sondern vielmehr der kindliche und elterliche Bedarf an frühkindlicher Bildung und Betreuung.
- Frühkindliche Bildung und Betreuung für alle Kinder: Insbesondere in den frühen Jahren sind Kinder mit Migrationshintergrund und Kinder aus einkommensschwachen Haushalten in Kindertageseinrichtungen unterrepräsentiert. Verstärkt sind Steuerungsinstrumente zu implementieren, um allen Kindern - unabhängig vom familiären Hintergrund - eine pädagogisch gute frühkindliche Bildung und Betreuung zukommen zu lassen.
- Zersplitterung pädagogischer Angebote entgegenwirken: Kinder lernen in für sie bedeutungsvollen Erfahrungskontexten. Bildungs- und Förderungsangebote müssen dementsprechend ausgelegt werden. Die zu beobachtende Auflösung erfahrungsbasierten kindlichen Lernens in „Einzellektionen“ ist kritisch. In diesem Zusammenhang sollten auch einzelne dekontextualisierte Förderangebote (z.B. Sprachförderangebote, Fremdsprachangebote, Bewegungsangebote) in eine ganzheitlich ausgelegte pädagogische Praxis integriert werden.
- Pädagogische Qualität nachhaltig verbessern: Die pädagogische Qualität variiert sehr stark zwischen den Einrichtungen und ist auch im Durchschnitt, gemessen an international anerkannten Standards, in verschiedenen Bereichen dringend verbesserungsbedürftig. Benötigt werden Verbesserungen bei den politisch verantworteten Rahmenbedingungen (z.B. besser ausgebildetes und besser bezahltes pädagogischen Personal, verbesserte Kind-Personal-Schlüssel, gesicherte Vor- und Nachbereitungszeiten für das pädagogische Personal) ebenso wie systematische Qualitätsentwicklungsprogramme für ganze Einrichtungen, verbunden mit einer Qualitätsüberprüfung nach Länder übergreifenden Standards.
- Förderung der kindlichen Gesundheit. Die Erhaltung und Förderung der kindlichen Gesundheit haben auch in der Kindertagesbetreuung hohe Priorität. Von besonderer Wichtigkeit sind die Vorbeugung von Infektionskrankheiten und Unfällen, die frühe Erkennung und der Umgang mit Erkrankungen und Behinderungen, und das Erlernen und Festigen eines gesundheitsfördernden Lebensstils mit regelmäßiger Bewegung und ausgewogener Ernährung. Standards für die Gesundheitsförderung in der Kindertagesbetreuung sind zu verbessern und in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften sowie in den Alltag der Kindertagesbetreuung einzuführen.
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Kindertageseinrichtungen zu Dienstleistungszentren für Kinder und
Eltern weiterentwickeln (Familienzentren, Eltern-Kind-Zentren o.ä.): Eine Integration der Familie
bei frühkindlichen Bildungs- und Betreuungsprozessen unterstützt Kinder in ihrer individuellen
Entwicklung und erhöht die Wirkung dieser Prozesse deutlich. Kindertageseinrichtungen sollten sich
stärker zu Dienstleistungszentren für Kinder und Familien entwickeln, die den unterschiedlichen
Bedarfen des jeweiligen sozialen Nahraums gerecht werden. Eine zusätzlich öffentliche
Förderung ist dazu notwendig.
- Instrumente zur Qualitätsfeststellung etablieren: Die Qualität von Kindertageseinrichtungen muss von Eltern und der öffentlichen Hand beurteilt werden können, um auswählen zu können und um zu entscheiden, ob die öffentlichen Mittel effektiv verwendet werden. Entsprechend benötigen beide Akteure Instrumente der Qualitätsfeststellung, wie z.B. ein Qualitätsgütesiegel. Dieses sollte von einer von Trägern und Administration unabhängigen Außeninstanz vergeben werden. Die öffentliche Finanzierung sollte an einen solchen Qualitätsnachweis gebunden werden und Anreize für Qualitätsverbesserungen beinhalten.
- Koordinierung der Qualifizierung des pädagogischen Personals installieren: Vor dem Hintergrund der großen Vielfalt bei der Qualifizierung und Weiterbildung des pädagogischen Personals muss eine bundesweite Koordinierung der unterschiedlichen Ausbildungswege und eine einheitlichere Standardsetzung erreicht werden. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass die vielfältigen Qualifizierungs- und Weiterqualifizierungswege fachlich zielführend ausgelegt werden und für die einzelne Fachkraft als System attraktiver gestufter beruflicher Abschlüsse erkennbar werden. In diesem Zusammenhang sollten auch finanzielle Anreize für die individuelle Weiterqualifizierung etabliert werden.
- Forschungs- und Dateninfrastruktur im Bereich der frühkindlichen Bildung erweitern: Eine Ausweitung der Forschungsinfrastruktur im Bereich der frühkindlichen Bildung ist vor dem Hintergrund weiterer Qualifizierungs- und Weiterbildungsbedarfe, einer Wirkungsforschung in diesem Bereich, aber auch für weitere Innovationen notwendig. In diesem Kontext bedarf es auch einer verbesserten Dateninfrastruktur, insbesondere um eine fundierte Wirkungsforschung und ein Qualitätsmonitoring in diesem Bereich zu etablieren. Dies ist eine zentrale Voraussetzung für eine rationale Politikgestaltung.
Unterzeichnerinnen und Unterzeichner:
Prof. Dr. C. Katharina Spieß, Professorin für Familien- und Bildungsökonomie, Freie Universität Berlin und DIW Berlin
Prof. Dr. Margret Wintermantel, Professorin für Psychologie, Universität des Saarlandes
Prof. Dr. Gerald Hüther, Professor für Neurobiologe, Universität Göttingen
Prof. Dr. Berthold Koletzko, Professor für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum der Universität München
Prof. Dr. Wolfgang Tietze, Professor für Erziehungswissenschaft, Freie Universität Berlin

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