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Sprachliche Bildung und Förderung für Kinder unter Drei
5. Sprachlichen Bildung in Kooperation mit Eltern
Gegenseitige Information hilft, Kinder besser zu verstehen
Kinder im Alter von null bis drei Jahren entwickeln ihre Fähigkeiten in einem rasanten Tempo. Die Entdeckung und Verwendung von Sprache ist dabei ein sehr komplexer und spannender Prozess für alle Beteiligten: Kinder, Eltern und Erzieher/innen. Kinder erschließen sich ständig neue sprachliche Möglichkeiten und erproben ihre Eroberungen zu Hause und in der Kita. Erwachsene können die Eroberungen der Kinder oft nur dann verstehen und deuten, wenn sie aus der jeweils anderen Lebenswelt bestimmte Informationen über die Situation bekommen, aus der die Errungenschaft stammt. So kommt es nicht selten vor, dass Kinder auf dem Nachhauseweg aus der Kita ein Lied anstimmen, um sich dann mit fragendem Blick an Mama oder Papa zu wenden, die es nun mitsingen sollen. (Er-)Kennen Eltern das Lied nicht, können sie nicht mit einstimmen. Umgekehrt kann es passieren, dass pädagogische Fachkräfte den Wunsch eines Kindes nach seinem Kuscheltier vor dem Schlafengehen nicht verstehen, weil sie das vom Kind dafür produzierte Wort nicht kennen. Solchen Missverständnissen wirkt ein regelmäßiger gegenseitiger Austausch zwischen Fachkräften und Eltern entgegen.
Gerade Mütter und Väter von so jungen Kindern erfahren über die Informationen der Fachkräfte, was die Kinder in der Kita gemacht und erlebt haben, ob und warum sie traurig, wütend oder fröhlich sind bzw. waren. Das Verhalten der Kinder zu Hause können Eltern vor dem Hintergrund der Mitteilungen aus der Kita besser einordnen. Für die Perspektive der Erzieher/innen gilt das Gleiche. Auch sie brauchen Auskünfte über den häuslichen Alltag, um kindliche Ausdrucksweisen interpretieren zu können. Ein Weinen am Vormittag kann von pädagogischen Fachkräften schneller als Hunger gedeutet werden, wenn sie wissen, dass das Kind das Frühstück zu Hause verweigert hat. Das Wissen über alltägliche Routinen in der jeweils anderen Lebenswelt ist für die Qualität der Interaktion zwischen Bezugsperson und Kind also von entscheidender Bedeutung. Informationen über Geschehnisse des Alltags beim Bringen und Abholen des Kindes spielen somit in der Krippe eine deutlich stärkere Rolle als bei älteren Kindern. Bei ihnen stehen besondere Vorkommnisse wie ein Sturz oder ein heftiger Streit mit einem Freund des Kindes eher im Fokus des Austausches als Alltagsroutinen.
Gelegenheit zum Austausch: der Elternabend zum Thema Sprachentwicklung
Eltern haben ein sehr großes Interesse an der Sprachentwicklung ihrer Kinder in der Krippe. Das wird unter anderem durch zahlreiche Fragen an die Fachkräfte (“Darf ich mein Kind beim Sprechen korrigieren?”) und an den Unsicherheiten im Hinblick auf mehrsprachiges Aufwachsen (“Soll ich zu Hause mit meinem Kind Deutsch sprechen, auch wenn ich es nicht so gut kann?”) deutlich. Die Erfahrungen der Einrichtungen, die an den Projekten des Deutschen Jugendinstituts mitwirken, zeigen, wie Elternabende zum Thema Sprachentwicklung von Krippenkindern gelingen können. Eine Voraussetzung dafür ist, dass das gewählte Thema des Abends an den Bedürfnissen der Eltern ansetzt. Wenn bereits die Einladung vermittelt, dass aktuelle Fragen von Eltern zum Gegenstand gemacht werden, sind Eltern gern bereit, sich einen Abend dafür Zeit zu nehmen. Ein weiterer Faktor für einen erfolgreichen Elternabend ist, dass Fachkräfte genügend Fachwissen zum Thema haben, das sie auch in der Praxis erproben konnten. Dadurch können sie begründet Informationen an Eltern weitergeben und sind fachlich sicherer, wenn Mütter und Väter Fragen stellen – die Grundlage für einen wechselseitigen Austausch mit Eltern über das Thema Sprachentwicklung. Der Einstieg in eine Diskussion mit den Eltern wird leichter, wenn diesen Videos aus der Kindergruppe gezeigt werden, anhand derer sprachliche Phänomene von Kindern bis zu drei Jahren beispielhaft verdeutlicht werden können. Eltern werden dadurch angeregt, von ähnlichen oder anderen Beobachtungen zu Hause zu erzählen. Diese Form des Austauschs mit Eltern enthält ein großes Potenzial für die Zusammenarbeit und erfordert von den Fachkräften eine hohe fachliche Kompetenz im Bereich Sprachentwicklung, aber auch im Bereich der Aufbereitung von Wissen für Eltern. Finden Fachkräfte eine gemeinsame Sprache mit den Eltern, können sie gemeinsam aus Videodokumentationen Ideen zur sprachlichen Begleitung der Kinder im Alltag ableiten und Möglichkeiten suchen, wann sie diese in der Einrichtung und zu Hause ausprobieren möchten.
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