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Sprachliche Bildung und Förderung für Kinder unter Drei
2. Prinzipien einer alltagsintegrierten sprachlichen Bildungsarbeit
2.2. Die Prinzipien des DJI-Ansatzes
Eine sprachliche Unterstützung und Begleitung der Kinder kann dann am besten gelingen, wenn wir die Besonderheiten des frühkindlichen Spracherwerbsprozesses erkennen und berücksichtigen. Daher orientiert sich das vom Deutschen Jugendinstitut entwickelte Konzept zur sprachlichen Bildung und Förderung von Kindern bis zu drei Jahren an den folgenden sechs Prinzipien:
- Ein weiter Blick auf Sprache
Das Konzept wurde entwickelt mit einem interdisziplinären, kompetenzorientierten Blick auf das kindliche Sprachhandeln sowie unter Berücksichtigung der Verknüpfung von sprachlichen Fähigkeiten und kognitiver sowie sozial-kommunikativer Entwicklung. Das Konzept bietet einen weiten Blick auf Sprache, um die große Bandbreite sprachlicher Aneignungsprozesse und Ausdrucksformen von Kindern zu erfassen. Beim kindlichen Spracherwerb ist das Erlernen des “Hörbaren”, der Laute, Wörter und Sätze eng verbunden mit den Bereichen der Kommunikation und Kognition: Mit der Entfaltung der sozial-kommunikativen und geistigen Fähigkeiten entwickelt sich auch die Sprache. Für die frühe Kindheit sind darüber hinaus die nonverbalen und sprachbegleitenden Ausdrucksmöglichkeiten der Kinder zu beachten (Stimme und Körpersprache wie Mimik und Gestik), da diese sehr stark die kindlichen Äußerungen begleiten oder sogar ganz ersetzen können.
- Orientiert an Kompetenzen der Kinder
Der weite Blick auf Sprache ist eng verwoben mit der Orientierung an den Kompetenzen ein- und mehrsprachig aufwachsender Kinder. Ihre einzelnen Entwicklungsschritte und Sprachlernstrategien werden als Fähigkeiten gewertet. Es geht nicht darum abzuhaken, was das Kind schon kann und was nicht. Vielmehr sollen die individuellen Erwerbsprozesse und -strategien erkannt und die Kinder als Sprachpersönlichkeiten wahr- und ernst genommen werden. Das Wissen um die vielfältigen Strategien und Entwicklungsprozesse im kindlichen Spracherwerb ist die Grundlage für die Beobachtung und Einordnung von Kindersprache und darüber hinaus Ansatzpunkt für die Gestaltung von sprachanregenden Angeboten und Situationen quer durch den Kita-Alltag. Für den Spracherwerb ist es besonders wichtig, dass Kinder im Alltag Gelegenheiten haben, ihr erobertes Sprachwissen anzuwenden, zu festigen und darüber hinaus zu erweitern.
- In bedeutungsvolle Handlungen eingebettet
Ausgangspunkt dieses Prinzips ist das Wissen darum, dass Kinder sich Sprache am besten in Situationen und Handlungszusammenhängen aneignen, die für sie Bedeutung haben. Wenn sie sich für die Bauarbeiten vor dem Fenster interessieren, wenn sie beim Apfelschneiden helfen dürfen, wenn sie erste Versuche beim Treppensteigen machen oder im Garten die feuchte Erde an den Händen spüren, dann wird Sprache sinnlich erfahrbar, und die Erlebnisse bieten Stoff für Mitteilungen. Das ist der Motor, der die Sprachentwicklung antreibt. Da sich der Spracherwerb in der frühen Kindheit weitgehend als ein beiläufiger Lernvorgang vollzieht, kann er durch vielfältige Situationen angeregt und ganz nebenbei unterstützt werden.
- Quer durch den pädagogischen Alltag
Sprachbildung als Querschnittsaufgabe im pädagogischen Alltag nimmt Bezug auf die entwicklungsspezifischen Themen und Bedürfnisse von Kindern bis drei Jahren. Der Kita-Alltag bietet viele Gelegenheiten, die zur sprachlichen Bildung genutzt werden können, seien es die routinemäßigen Tätigkeiten im Tagesablauf wie z.B. das Wickeln oder die Essenssituationen, seien es gezielte von den pädagogischen Fachkräften initiierte Aktivitäten wie z.B. das gemeinsame Singen oder die selbst gewählten Einzel- oder Kleingruppenspiele der Kinder. Wichtig ist, sich bewusst zu machen, welche sprach- und sprechanregenden Situationen und Angebote der pädagogische Alltag für Kinder dieser Altersgruppe bietet, und diese aktiv zu gestalten.
- Im feinfühligen Dialog mit dem Kind
Erwerb und Ausbau sprachlicher Fähigkeiten vollziehen sich im bedeutungsvollen Dialog mit den wichtigsten Bezugspersonen eines Kindes. Wenn Kleinkinder ihre Umgebung erkunden und eigene Handlungsmöglichkeiten erproben, ist es der/die einfühlsame und kompetente Gesprächspartner/in, der/die dem Kind beiläufig die Sprache anbieten kann, die zu seinen Aktivitäten gehört. Im sprachpädagogischen Dialog mit Kindern zu sein, bedeutet, dem Interesse des Kindes zu folgen und die Aufmerksamkeit gemeinsam mit dem Kind auf das zu richten, was es fasziniert und interessiert. Mit dem Einsatz von Stimme und Körpersprache (z.B. Blickkontakt, zugewandte Körperhaltung, stimmliche Betonung) unterstützen die Erwachsenen Kinder auf ihrem Weg in die Sprache hinein.
- Beobachtung und Dokumentation als Grundlage sprachlicher Förderung
Um den sprachlichen Erwerbsprozess fundiert und zuverlässig einschätzen zu können, sollten Fachkräfte wissen, wie die sprachliche Entwicklung mit der kindlichen Handlungs- und Spielkompetenz sowie mit der sozial-kommunikativen und kognitiven Entwicklung zusammenhängt. Für eine professionelle Wahrnehmung des individuellen Sprachentwicklungsprozesses und der kindlichen Spracherwerbsstrategien sind kontinuierliche Beobachtungen und Dokumentationen unerlässlich.
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